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Mythos Ebook

Schneller, besser, digital

Einleitung

Wer kennt Sie nicht? Ich spreche von den schicken Ebook-Reader, die gleich mehrere hundert oder gar tausend digitale Bücher speichern können. Schenkt man den Medien glauben, fragt man sich wie es überhaupt möglich war, bisher ohne eines dieser modernen Geräte auszukommen. Sie sind klein, leicht und haben ein gut ablesbares Display, das dem Betrachten eines Buches schon sehr nahe kommt. Ich, als digitales Fossil, stelle mir da doch die Frage des Nutzens.

Was ist Freiheit?

Früher hieß es, sag mir was du liest und ich sage dir werd du bist. Bereits in wenigen Jahren wird es heißen, sag mir in welcher Form du dein Buch konsumierst und ich sage dir, wie wenig dir Freiheit bedeutet. Du verzichtest auf die Freiheit, ein Buch anonym im Laden zu kaufen, es anschließend zu besitzen, mit Freunden zu teilen und es weiter verkaufen zu können. Ein herkömmlichen Buch kann frei gelesen werden, ohne vorher absurde Nutzungsbedingungen akzeptieren zu müssen. Der Besitzer benötigt keinen technischen Hintergrund und kein zusätzliches Gerät. Er kann einzelne Seiten scannen, oder kopieren. Es steht ihm frei, die darin enthaltenen Informationen anonym zu erfassen.

Zeitfaktor 0

Egal wie viele Bücher ein Ebook-Reader letztendlich zur Verfügung stellen kann, können wir doch nur eines zur selben Zeit lesen. Wir lassen uns aus purer Bequemlichkeit von den Herstellern dazu verleiten, den einzigen Vorteile des Ebooks unabdingbar über sämtliche Nachteile zu stellen. Die Werbung zielt auf den evolutionären Trieb des Menschen ab, zu Sammeln. Uns wird ein Mehrwert suggeriert, wo keiner ist. Nachdem ich ein Buch gekauft habe, kann ich unmittelbar mit dem Lesen beginnen. Bei einem Ebook Reader muss ich erst den Akku laden, die Bedienungsanleitung durchstöbern, die Handhabung begreifen, einen Onlineaccount, mit allen erforderlichen persönlichen Daten, errichten und kann nun erst die gekauften Ebooks auf das Gerät laden.  

Konsum Plus+

Die Akkulaufzeit begrenzt meine Lesedauer und auch wenn moderne Akkumulatoren immer längere Laufzeiten versprechen, so lässt diese doch im Lauf der Zeit nach. Bei einem Defekt des Akkus steht in der Regel auch der Kauf eines neuen Gerätes ins Haus. Ersatzakkus werden aus gutem Grund überteuert angeboten und können oftmals nur vom Hersteller getauscht werden. Ein guter Verkäufer wird in einem solchen Fall immer zu einem Neukauf raten. Hier kommt wieder unsere Bequemlichkeit ins Spiel. Anstatt die Reparatur des alten Gerätes  abzuwarten, lassen wir uns dazu verleiten, ein neues zu erwerben. Der Verkäufer wird uns außerdem geschickt auf die neuen Funkionen hinweisen. Längere Akkulaufzeit, gesteigerte Speicherkapazität und zeitgenössisches Design! Nicht weniger wichtig ist das Argument, dass nun jeder ein solches Gerät besitzt. Ich möchte die entscheidenden Kritikpunkte zusammenfassen:


Der Ebook-Reader

  • ist kostspielig
  • hat eine begrenzte Lebensdauer
  • unterstützt oft nur spezielle Formate
  • ist empfindlicher als ein Buch
  • muss ständig aufgeladen werden
  • wird eher gestohlen als ein Buch
  • sollte nicht mit in die Badewanne
    genommen werden

Ebooks

  • stellen keinen reellen Wert dar
  • unterliegen oft strengen Nutzungsbedingungen
  • dürfen nicht kopiert werden
  • können nicht anonym gekauft werden
  • besitzen ein herstellerspezifisches Format,
    welches nicht von jedem Gerät unterstütz wird
  • können nicht ausgeliehen werden
  • werden nicht von jedem Buch erstellt
  • können nicht gebraucht gekauft,
    oder verkauft werden

Zensur

Verfügt ein Gerät über eine Verbindung zu WLAN oder GSM/UTMS Netzwerken ist es technisch möglich, Inhalte zu zensieren, zu verändern oder gar vollständig zu löschen. Bereits 2009 zeigte dies Amazon eindrucksvoll, indem es die Bücher 1984, Animal Farm und Nineteen Eighty-Four des Autors George Orwells, von den Geräten seiner Kunden löschte. Dies geschah ohne deren Wissen und Zustimmung. Ich weiß nicht, ob ich über den folgenden Gedanken lachen, oder weinen möchte: Man stelle sich eine moderne Bücherverbrennung vor, in der es kein Feuer mehr geben würde. Ein simpler "Delete-Befehl" würde ausreichen, um einen Großteil der in Umlauf befindlichen Werke zu verbannen. Ob es nun wirklich soweit kommen könnte sei dahingestellt, aber mit zunehmender Akzeptanz elektronischer Bücher, wird vor allem die Werbung Einzug in dieses neue Medium halten. Schrittweise wird der Nutzer seine Freiheiten an die Industrie abgeben und mehr und mehr in den Strudel der Abhängigkeit gezogen. Fortschritt um jeden Preis, auch wenn dieser mit einem Rückschritt verbunden ist. Da kann ich nur sagen, schöne neue (digitale) Welt.

 

[Erstellt am 15.07.12]