banner

___.: Main :.



___.: Artikel :.

___.: Retro :.


___.: Fun :.

Interview eines Coders

Programmieren ist mein Leben

Einleitung

Was ist dran am Mythos Coder? Wieso verbringen einige Menschen einen Großteil Ihrer Zeit vor dem Computer, um Software zu schreiben, die es bereits zu kaufen gibt? Was ist freie Software und wieso ist Sie so wichtig?

Um diese und weitere Fragen zu beantworten, habe ich einen befreundeten Programmierer interviewt. Abseits von kommerziellen Geschäftsmodellen und vermeintlichen Techniktrends wurde mir Rede und Antwort gestanden.

Was dabei heraus kam ist ein Interview, das ehrlicher und direkter nicht sein könnte. Ich kann mir zwar immer noch nicht vorstellen nächtelang an einem Skript zu basteln, aber ich verstehe meinen Kumpel nun doch etwas besser ;-)

Vielen Dank dafür...

Alles Open Source?

Für all diejenigen, die es nicht wissen, du verbringst einen großteil deiner Zeit mit dem Programmieren freier Software. Kannst du in kurzen Worten erklären, was freie Software für dich bedeutet?

"Freie Software bedeutet für mich, dass die Software von Leuten
entwickelt wird, die damit nicht möglichst viel Geld verdienen wollen, sondern das hier wirklich die Software im Vordergrund steht. Vor allem Qualitätsmäßig. Und natürlich dass ich den Quellcode, also woraus das Programm gemacht ist, einsehen kann."

Denkst du freie Software hat eine Chance über kurz oder lang von der Allgemeinheit akzeptiert und eingesetzt zu werden?

"Definitiv ja! Libre/OpenOffice, VLC, Firefox, Thunderbird, etc. werden bereits von Vielen als Ersatz für diverse kommerzielle Programme verwendet. Warum also nicht?"

Viele dieser Open Source Programme (das sind Programme deren Quellcode offengelegt wurde), die du bereits angesprochen hast, haben sich auf den Rechnern von Privatpersonen etabliert. Wie denkst du sieht die Zukunft von freien Betriebssystemen aus?

"Tja, freie Betriebssysteme sind ein ganz anderes Kaliber. Wer Android auf dem Handy hat (laut einer aktuellen Statistik über 50% aller Nutzer) verwendet im Prinzip ein quelloffenes Betriebssystem. Aber auf dem Desktop sieht es ganz anders aus. Da fürchte ich wird sich Linux nie wirklich durchsetzen können. Es fehlt einfach an einer einzigen, repräsentativen Distribution. Ubuntu macht hier zwar gewaltige Fortschritte, geht aber meiner Meinung nach in die falsche Richtung. Es wird zu ineffiezient für die Leute, die die Materie bereits etwas besser kennen."

Eine Frage der Motivation?

Den Löwenanteil deiner Freizeit verbringst du mit dem Programmieren vor dem Bildschirm. Jeder der schon einmal versucht hat eine Anwendung zu programmieren weiß, wie schwierig das sein kann. Wie schaffst du es motiviert zu bleiben?

"Gute Frage. Natürlich vergeht einem hin und wieder die Lust daran. Aber dann fällt mir was ein was ich noch nicht probiert habe und siehe da, es funktioniert."

"Ausserdem motivieren mich meine Mitmenschen desöfteren. Und das gibt einem schon Kraft weiterzumachen. Auch, wenns langweilig werden sollte."

Kannst du in kurzen Worten erklären, weshalb du damit begonnen hast, eigene Programme zu schreiben und was du dir davon erhoffst? Man muss ergänzend dazu sagen, das du kein Geld für deine Software einforderst.

"Angefangen hat das ganze als ich 13 war. Auf einem TI 84+ (ein programmierbarer Taschenrechner) mit Basic-Dialekt. Ich hab oft stundelang Programme geschrieben die letztlich nur ganz einfache Dinge konnten. Es war einfach cool Funktionen hinzuzufügen, die man sonst mühsam eintippen musste. Da die ganze Klasse für den Unterricht so einen Taschenrechner hatte, waren meine Programme natürlich der Renner."

"Mittlerweile sieht die Situation etwas anders aus. Ich entwickle vor
allem deshalb Programme, weil mich fertige Lösungen nie so wirklich überzeugen. Vieles ist überladen, buggy oder einfach nur Schrott."

"Und warum ich kein Geld verlange? Nun, mir gefällt die Idee von
OpenSource und ich denke ich kann der Community nur dann etwas zurückgeben, wenn ich selber meine Programme OpenSource veröffentliche und kein Geld dafür verlange."

Alle für einen?

In den einschlägigen Medien und Magazinen werden Computerbegeisterte, auch Nerds genannt, oftmals als Einzelgänger ohne soziales Bewusstsein beschrieben. Würdest du dem zustimmen?

"Das kommt darauf an. Für viele Menschen sind Computerbegeisterte bzw. Nerds sowohl Leute, die viel vor dem PC verbringen und zum Beispiel Spiele spielen als auch Leute, die etwas bewirken wollen und zum Beispiel Programme schreiben. Ich unterscheide hier sehr stark, da ich keinesfalls zu den "Zockern" zählen möchte."

"Aber um es kurz zu machen: Nein."

"Ich und viele andere besitzen sehr wohl ein soziales Bewusstsein und man trifft sich ja immer wieder mit diversen Leuten aus der Community. Doch wegen der Teils recht großen Entfernungen (manchmal auch über Kontinente hinweg) läuft natürlich vieles im Internet ab. Wobei ich ein absolter Gegner von Chatten bin. Meiner Meinung nach völlige Verschwendung."

Wie denkst du könnte man die mittlerweile stetig anwachsende Zahl an Nerds und Geeks im realen Leben zusammen bringen? Liegt es daran, dass für diese spezielle Interessensgemeinschaft zu wenige Veranstaltungen organisiert werden, oder spielt deren Mentalität eine große Rolle?

"Ich denke das wäre ganz einfach: Einfach mal absprechen, sich irgendwo treffen, ein wenig reden und eventuell ein monatliches Treffen für Interessierte vorschlagen."

"Problem ist halt wieder die Entfernung. Wer mich kennt weiß, dass ich fast monatlich nach Nürnberg fahre, um mich dort mit gleichgesinnten zu treffen."

Ist da jemand?

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, das es ungeheuer schwierig ist, mit neuen Computerbegeisterten in Verbindung zu treten, geschweige denn Freundschaften zu schließen. Wie trittst du persönlich mit Gleichgesinnten in Kontakt?

"Meistens über das Internet."

"Wobei es halt richtig cool ist, wenn man zufällig einfach mal so
jemanden im richtigen Leben trifft."

Angeschlossen an die vorherige Frage- Das internet begünstigt das Superman Sysndrom. Jeder hält sich einfach für den Größten. Wie trennst du im World Wide Web die Spreu vom Weizen?

"Nunja, da gibt es mehrere Möglichkeiten: In Communitys wird man entweder bewertet oder man sieht, wieviele Beiträge jemand bereits verfasst hat. Daran kann man sich schonmal orientieren."

"Ausserdem lese ich oftmals was die Betreffende Person sonst noch so verfasst hat. Damit bekommt man schonmal einen ungefähren Überblick, inwiefern sich jemand auskennt."

Alte Ziele, neue Ufer!

Du hast seit einiger Zeit deine eigene Internetpräsenz -r3v0luti0n.com- gestartet. Wie ist die Seite entstanden und welche Beweggründe haben dich dazu bewegt, deine eigene Homepage zu erstellen?

"Für eine eigene Homepage hätte auch ein einfacher Webspace ausgereicht. Aber es ist nunmal so, dass Serveradministration ein für mich recht interessantes Thema ist."

"Ausserdem will ich damit versuchen, wenigstens ein paar Leute
wachzurütteln. Raus aus dem Alltag und endlich mal hinterfragen, was einem erzählt wird. Ob die Medien wirklich so vertrauenswürdig sind. Wie es in der Welt wirklich zugeht. Aufzeigen, was andere oft übersehen."

Der Letzte macht das Licht aus

Die letzte Frage, die ich dir stellen möchte, bezieht sich auf die aktuelle Berichterstattung im öffentlichen Fernsehen. Hackergruppierungen, bösartige Viren und Trojaner sind in aller Munde. Müssen wir auch Angst vor dir haben?

"Nein, mit Sicherheit nicht. Dafür bin ich einfach nicht geeignet. Man sammelt sich zwar mit der Zeit immer mehr Wissen an, aber es ist einfach nicht mein Ding. Ich setze  mich lieber für freie Software ein."

Ende

Erst einmal möchte ich mich dafür Bedanken, dass du dir die Zeit genommen hast mir Frage und Antwort zu stehen. Möchtest du vielleicht noch einen letzten Schlusssatz anfügen?

"Ich danke auch dir für das Interview."

"Viele von euch werden vielleicht denken, freie Software wird sich auf lange Sicht nicht durchsetzen können, da Sie auf die Unterstützung von freiwilligen Helfern wie mir angewiesen ist, aber wer zu einer besseren, gerechteren und letztendlich freieren digitalen Welt beitragen möchte, sollte die Fähigkeit besitzen über seinen eigenen Schatten springen zu können. Danke."

 

[Erstellt am 30.04.12]