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Das Abmahn-Geschäft

Industrie auf Opfersuche

Einleitung

Bei einem Bekannten von mir, kam kürzlich ein Brief einer Anwaltskanzlei ins Haus geflattert. Er wurde des illegalen Downloads eines Computerspiels bezichtigt, was auch stimmte. In diesem Brief war seine IP-Adresse und der Zeitpunkt des Downloads festgehalten. Er wurde dabei erwischt, als er illegal ein aktuelles Spiel über eine Tauschbörse herunterlud. Ärgerlich war vor allen Dingen, das die Datei gerade einmal zu 15% herunter geladen wurde. Er hätte also zu diesem Zeitpunkt technisch gesehen noch nichts mit dieser Datei anfangen können. Außerdem wäre es ihm zu diesem Zeitpunkt noch möglich gewesen, den Download abzubrechen. Ich möchte die Tat aber nicht schön reden. Fakt ist, dass er das Spiel auf illegalem Wege herunterladen wollte und somit eine Urheberrechtsverletzung zu Stande gekommen ist, wodurch er sich Strafbar machte.

Das Strafmaß

Kommen wir nun aber zum Strafmaß, das zugegebener Maßen jeden Rahmen sprengt. Das besagte Spiel war bereits seit einigen Wochen auf dem Markt und kostete daher nur noch 30 Euro im Laden. Anhand dieser Summe wurde auch der Streitwert berechnet. Der Wirtschaftlich entstandene Schaden und die anfallenden Kosten der Anwaltskanzlei wurden mit rund 650 Euro beziffert. Das Verhältnis zwischen dem entstanden Schaden und der Anwaltsforderung ist in meinen Augen hier nicht nachvollziehbar! Sicherlich leuchtet mir ein, dass ein illegal heruntergeladenes Spiel einem Diebstahl im Laden gleich kommt und die Konsequenzen vom Verursacher getragen werden müssen, aber das ein Anwalt das 21-fache des ursprünglichen Wertes einfordern kann, ist schlichtweg dreist. Das ist in etwa so, als würde ich ein Auto für 22.000 Euro stehlen und zur Strafe müsste ich 462.000 Euro bezahlen. Hier steht die Strafe in keinem Verhältnis zum Schadenswert.

Das Motiv

Die Spielehersteller selbst haben meiner Meinung nach das Herunterladen und Cracken von Spielen begünstigt. Konnte man noch vor einigen Jahr ein Spiel im Laden kaufen und Zuhause, nach der Eingabe der Seriennummer, sorgenfrei installieren, so müssen heute eine Reihe von unangenehmen technischen Grundvoraussetzungen erfüllt werden. So lassen sich viele Spiele beispielsweise erst nach einer Onlineregistrierung installieren. Einige davon benötigen sogar einen Onlineaccount. Und bei besonders geschützten Spielen muss während des gesamten Spielzeit eine Onlineverbindung aktiviert sein,  auch im Einzelspielermodus! Neben der Eingabe persönlicher Daten während der Registrierung, oder der Erstellung eines benutzerdefinierten Accounts, ist besonders die permanente Internetverbindung während des Spielens Datenschutztechnisch fragwürdig. Durch diese und andere technische Barrieren, die zum einem den Kopierschutz und zum anderen der stärkeren Bindung des Kunden an das Produkt dienen, ziehen sich die Anbieter den Frust der Nutzer auf. 

Die Strategie

Man fragt sich doch bewusst, weshalb Jagt auf die kleinen Fische gemacht wird. Doch erst der Seitenbetreiber ermöglicht die Bereitstellung der digitalen Raubkopien im Netz. Da drängt sich der Verdacht auf, dass es sich hierbei um ein gezieltes Geschäftsmodel handeln könnte. Der Seitenbetreiber hat durch Werbemaßnahmen schließlich eine Menge Geld gemacht und wird sich bei einer möglichen Anklage juristisch zu helfen wissen. Die meisten Nutzer allerdings, brechen vermutlich bei der ersten Mahnung eines Inkasso Unternehmens ein. Die gewinnbringendste Geschäftsstrategie könnte demnach lauten: "Lasst eure urheberrechtlich geschützten Daten im Netz auf Wanderschaft gehen und verhindert nicht effektiv deren Verbreitung. Für jedes heruntergeladene Buch im Wert von 20 Euro, können wir einen Schadensersatz von gigantischen 420 Euro erzielen! So eine hohe Gewinnspanne kann niemals durch das Produkt selbst erwirtschaftet werden und bedenkt, dass wir diese Schadensforderung an hunderte weiter Nutzer zustellen können." Ob dies natürlich wirklich so abläuft sei dahingestellt, jedoch kommen verdächtig viele Fileshare-Anbieter mit der Verteilung Ihrer Daten durch.

 

[Erstellt am 19.06.12]