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A Second and Final Letter

Bill Gates zweiter offener Brief

Einleitung

Nach dem Erscheinen des ersten offenen Briefes vom 3. Februar 1976 erschien im April 1976 ein weiterer Brief des aktiven Micro-Soft Teilhabers Bill Gates im Newsletter des Homebrew Computer Clubs. Die in Umlauf gelangten Raubkopien von Altair BASIC hatten meiner Meinung nach einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des jungen Bill Gates und führten vermutlich auch zu der eher negativen Geschäftspolitik von Microsoft.

Von nun an wurden künftige Softwareprodukte mit Schutzmechanismen versehen. Außerdem wurden nur noch Lizenzen zur Nutzung der Software, nicht die Software selbst, vertrieben. Die Grundstein der proprietären Software wurde somit gelegt und darauf das Haus moderner Software erbaut.

Übersetzung

Seit ich meinen „Open Letter to Hobbyists“ vom 3. Februar verschickt habe, bekam ich unzählige Antworten und die Gelegenheit direkt mit Hobbyisten, Editoren und Angestellten auf der „World Altair Computer Convention“ der Firma vom 26. bis 28. März  von MITS zu sprechen. Ich war überrascht über die umfangreiche Berichterstattung bezüglich des Briefes und ich hoffe, das bedeutet, dass ernsthafte Überlegungen im Bezug auf die Frage nach der Zukunft der Softwareentwicklung und Vertrieb für die Hobbyisten gemacht werden. In meinen Bemerkungen im „WACC“ habe ich sehr ausführlich erklärt, warum ich denke, dass die Software den Unterschied macht zwischen einem Computer, der jahrelang ein faszinierendes erzieherisches Werkzeug ist, und einem, der ein paar Monate lang ein aufregendes Rätsel ist und dann im Wandschrank verstaubt.

Unglücklicherweise konzentrierten sich  einige der Kontroversen, die durch meinen Brief hervorgerufen wurden, auf mich persönlich und, was noch unangemessener ist, auf MITS. Ich bin kein Angestellter von MITS und vielleicht stimmt mir niemand von MITS vollkommen zu, aber ich glaube, dass alle froh waren, dass die Fragen, die ich aufwarf, diskutiert wurden. Die drei negativen Briefe, die ich erhalten habe, hatten Einwände gegen die Tatsache, die ich dargelegt habe, dass ein hoher Prozentsatz von Computer-Hobbyisten aus ihrem Besitz  Software gestohlen haben. Meine Absicht war es, zu zeigen, dass eine bedeutende Zahl der Kopien von BASIC, die zur Zeit benutzt werden, nicht auf legalem Weg erworben wurden und keine generelle Anschuldigung von Computer-Hobbyisten auszusprechen. Im Gegenteil, ich denke, dass sie in der Mehrheit intelligente und ehrliche Menschen  sind, die meine Sorge über die Zukunft der Software-Entwicklung teilen. Ich habe auch Briefe von Hobbyisten bekommen, die behaupten, dass das Stehlen weitergeht, und die damit nicht glücklich waren, und von kleinen Firmen, denen es widerstrebt, Software zur Verfügung zu stellen, weil sie nicht meinen, dass genug Menschen die Software kaufen werden, um ihre Entwicklung zu rechtfertigen. Vielleicht ist das aktuelle Dilemma daraus entstanden, dass viele nicht eingesehen haben, dass weder Micro-Soft, noch irgendjemand anders eine umfangreiche Software entwickeln kann, ohne einer vernünftigen Rückkehr zu der großen Investition in die Zeit, welche notwendig sind.

Die Gründe für das Verfassen meines ersten Briefes waren das Streitthema für eine Diskussion zu öffnen, die Leute wissen zu lassen, dass jemand bestürzt über das Stehlen war, das vor sich ging, und die Sorge über die Auswirkungen zu äußern, die solche Aktivitäten auf die zukünftige Softwareentwicklung haben werden. In manchen Briefen wurde vorgeschlagen, dass Software für eine geringe Gebühr an Hardware-Firmen verkauft werden sollte, die die Kosten für die Software auf den Preis für ihren Computer aufschlagen könnten. Ob das egal ist oder nicht, die Marktfähigkeit von Software- gegenüber Hardware-Firmen ist fragwürdig, wenn Software so bereitwillig unter Hobbyisten geteilt wird.  Software als ROM zur Verfügung zu stellen könnte helfen, aber speichern eines komplexen Softwarepakets als ROM bevor es in Feldversuchen getestet wurde, bedeutet, dass die Benutzer die Bugs, die zwangsläufig auftauchen werden, akzeptieren müssen.  Wenn man eine ausgewählte vertrauenswürdige Gruppe hat, die sechs Monate lang Feldversuche durchführt, würde das bedeuten, dass die meisten Bugs beseitigt werden könnten, aber es ist nicht machbar oder wünschenswert die Einführung eines Produktes so lange zu verzögern. Auf alle Fälle kann Software auf ROM kopiert werden.

Bei der Diskussion über Software möchte ich den wichtigsten Aspekt nicht außen vor lassen, nämlich der Austausch solcher Programme weniger komplex als Interpreter oder Compiler, welche von Hobbyisten geschrieben werden können und für wenig oder kein Geld verbreitet werden können. Ich denke, in absehbarer Zeit werden buchstäblich tausende solcher Programme über Benutzer-Bibliotheken  erhältlich sein. Die Verfügbarkeit von standardisierten Compilern und Interpretern wird großen Einfluss darauf haben, wie schnell sich diese Sammlungen entwickeln und wie nützlich sie sind.

Zwei Gründe, die Leute anspornen werden Software zu entwickeln, sind, dass der Hobbyisten-Markt schnell wächst und dass viele kommerzielle Anwendungen von Mikrocomputern dieselbe Software benötigen, die auch Hobbyisten brauchen. Unglücklicherweise widerstrebt es einigen der Firmen, mit denen ich über Mikrocomputer-Software gesprochen habe, diese an die Hobbyisten zu vertreiben, von denen einige sie stehlen werden, wenn die Firma darum gebeten wird, eine große Summe auszugeben, um die Software-Entwicklung zu finanzieren.

Um einen endlosen Dialog zu vermeiden und die aktuellen Kontroversen auf die wesentliche Frage zu konzentrieren, ist dies der letzte offene Brief, den ich über dieses Thema schreiben werde. Ich danke denen, die schriftlich auf meinen ersten Brief geantwortet haben.

APL ist in vollem Gange und sollte Mitte des nächsten Sommers fertig sein, wenn es für Privatanwender zugänglich gemacht sein wird. Micro-Soft selbst hat einen Compiler der höheren Programmiersprache im Entwicklungsstadium und versucht einen Weg auszuarbeiten die Quelle von einem seiner Interpreter in einer ziemlich preiswerten Buchform zusammen mit ungefähr hundert Seiten eines erklärenden Textes zu veröffentlichen.

Bill Gates
Aktiver Teilhaber,
Micro-Soft

 

[Erstellt am 08.07.12]